"Reicht das, was mein Hund kann, denn überhaupt für ein Shooting?"

Diese Frage höre ich öfter, deshalb will ich dazu mal ein paar Zeilen aufschreiben.

- Der Hund muss motivierbar sein. Ohne Motivation hat man keine Aufmerksamkeit, und ohne Aufmerksamkeit kann man nicht gezielt Fotos machen. 

- Der Hund sollte das Kommando Bleib kennen und seine Position ein paar Sekunden halten können. Ob das nun Sitz, Platz oder Steh ist, ist erstmal egal. Hauptsache Herrchen / Frauchen kann sich wenigstens 2m vom Hund (und damit auch aus dem Bild) entfernen. Zur Not kann man auch wegretuschieren, aber das ist eben immer nur die Notlösung.

Das sind die beiden wichtigsten Punkte für mich. Natürlich ist ein Hund mit super Grundgehorsam, der auch auf Distanz arbeiten kann, wunderbar zu shooten.
Doch auch wenn er kein Musterschüler ist, kann man trotzdem schöne Fotos machen. Das sieht man gut bei meinen Hunden, die beim Thema Gehorsam regelmässig die Schule geschwänzt haben. Ja ja, ich weiss, eigentlich habe ich geschwänzt.

Auch notwendige Absicherung ist kein Grund, nicht zu fotografieren. Wenn man die richtigen Hilfsmittel benutzt, dann stören auch keine Halsbänder und Leinen auf den Fotos.

Wenn der Hund gar kein Interesse an Herrchen / Frauchen hat und einfach viel lieber sein eigenes Ding durchzieht oder überhaupt noch nicht auf Kommandos reagiert, dann würde ich allerdings Abstand von einem Shooting nehmen.

Auch wenn man bei solchen Exemplaren vielleicht mal hübsche Momentaufnahmen machen kann, so braucht man dafür sehr viel Zeit und meistens sind diese Bilder dann auch sehr bearbeitungsintensiv, um doch noch ein wenig Stimmung reinzubringen. Denn bei solchen Bildern hat man kaum Einfluss auf den Hintergrund, den Bildschnitt usw. Und am Ende wären alle nur enttäuscht.

Ich vergleiche ein Shooting immer mit einer Trainingsstunde. Es ist keine Spielstunde, denn der Hund leistet dabei sehr viel Konzentrationsarbeit, es ist anstrengend für ihn.

Manche Hunde sind von Anfang an direkt fokussiert und arbeiten super mit, verlieren aber nach einer gewissen Zeit ihre Konzentration. Andere brauchen dagegen etwas Anlaufzeit bis sie im Arbeitsmodus sind.
Deshalb ist es wichtig, dazwischen immer wieder kleine Pausen zu machen und den Hund Hund sein zu lassen, nicht erst wenn er keinen Bock mehr hat.

Auf der anderen Seite ist es auch wichtig, Geduld zu haben und nicht gleich zu verzweifeln, wenn der Hund z.B. vier, fünf Mal hintereinander seine Position sofort wieder selber auflöst und nicht stillsitzen kann. Es ist ja auch aufregend und da vorne liegt irgendwer im Dreck, spannend!
Manchmal gehen gewisse Sachen aber einfach nicht und das ist dann auch ok. Dann probiert man halt etwas anderes.